Das Thema Barrierefreiheit verabschiedet sich nach und nach aus seiner Nische. Inzwischen ist es zu einem entscheidenden Kriterium dafür geworden, ob eine Immobilie langfristig ihren Wert erhalten kann. Fachlich wird dabei zwischen zwei Bezeichnungen unterschieden, denn nach DIN 18040-2 bedeutet der Begriff "barrierefrei" etwas anderes als "barrierearm". Ein Angebot, in diesem Fall die Immobilie, ist demnach nur dann barrierefrei, wenn es in ihr keine Hindernisse gibt und ein Mensch mit Behinderung sie selbstständig und ohne Hilfe nutzen kann. Barrierearm ist sie, wenn die Hindernisse reduziert, aber nicht vollkommen beseitigt sind. Die Immobilie verfügt also zum Beispiel über eine Rampe, doch sie ist so steil, dass sie für manche Menschen trotzdem keine Option ist. Hinzu kommt, dass es nicht immer nur um tatsächliche Einschränkungen geht. Manchmal spielt auch der Komfort eine Rolle. Was für einen erwachsenen Menschen zum Beispiel keine Herausforderung darstellt, kann für einen Senioren oder ein Kleinkind für echte Schwierigkeiten sorgen. Die Immobilien von heute müssen all diese Personengruppen berücksichtigen.

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Intuitive Bedienbarkeit

Ein gutes Beispiel dafür sind Haptik und Sensorik. Kann ein Mensch nur eingeschränkt sehen oder sich nur innerhalb eines sehr kleinen Radius bewegen, ist die physische Rückmeldung bei der Bedienung von haustechnischen Elementen wie einem Schalter plötzlich viel wichtiger als bei einem Menschen, der ohne diese Herausforderungen lebt. Oft gilt: Je einfacher die Dinge ausgelegt und aufgebaut sind, desto besser. Ein Schalter, der für einen stehenden Menschen gut erreichbar ist, kann für einen Menschen im Rollstuhl völlig außerhalb seiner Reichweite sein. Auch große Bedienflächen spielen an dieser Stelle eine Rolle. Kann man einen Schalter mit dem Handrücken oder dem Ellenbogen bedienen, erleichtert das den Alltag in vielen Fällen mehr, als man glaubt. Bei Sehschwächen hilft ein kontrastreiches Design und für Menschen mit Sturzgefahr hilft es, wenn die Schalter beleuchtet sind. Intuitive Bedienbarkeit wird auf diese Weise zu einem Teil der Altersvorsorge.

Technologische Synergien

Nun könnte man meinen, die eigentliche Lösung für all diese Einschränkungen läge auf der Hand. Denn in einer Zeit, in der Smart Home Systeme unkompliziert und erreichbar sind, könnte ja eigentlich jeder einfach um Licht oder andere Funktionen im Zuhause bitten. Doch die individuellen Lösungen hängen von den individuellen Einschränkungen und letzten Endes auch von den Vorlieben der Menschen ab. Und nicht jeder möchte mit einem unsichtbaren Gerät sprechen. Die Sprachsteuerung sollte deshalb stets als Ergänzung und nicht als Ersatz verstanden werden. Denn der physische Zugriff bleibt vor allem in kritischen Situationen unverzichtbar und sollte deshalb in jedem Fall das Rückgrat der Immobilie darstellen. Nachgerüstet werden kann natürlich auch. Doch wer sich bereits früh Gedanken darum macht, wie eine Immobilie besonders inklusiv und barrierearm gestaltet werden kann, der investiert damit in ihre Zukunftsfähigkeit.

Ästhetik und Funktionalität

Am Ende des Tages geht es darum, ein gutes Maß an Funktionalität zu finden, ohne dabei die Ästhetik zu vernachlässigen. Modernes Design kann sich auch in ein luxuriöses Interieur integrieren, ohne dabei grob zu wirken. Und wenn die Immobilie irgendwann verkauft wird, spricht sie sofort eine solvente und vor allem wachsende Zielgruppe an, was zu höheren Wiederverkaufspreisen und einem handfesten Gewinn führt.